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2007

Wie eine Wanderung von Ost- nach Westdeutschland, von „den Dächern der Schönhauser“ in Berlin über Heidelberg und den Schwarzwald bis zur „Landnahme“ als „Zugezogener“ auf der grünen Wiese aussehen kann, trug Dietrich Wagner am Freitagabend – zumindest ausschnittweise – vor. Der in seiner Freizeit schriftstellerisch tätige Diplom-Psychologe aus Neuenbürg gestaltete zusammen mit Bezirkskantor Bernhard Müller und der Volkshochschule in Neuenbürg im Saal der Jugendmusikschule eine Autorenlesung unter dem Titel „Von Zugezogenen und Leberwürsten“. Mit Gedichten und Geschichten, die er aus seinen Beobachtungen aus unterschiedlichen Perspektiven zusammentrug, brachte Wagner das Publikum immer wieder zum Schmunzeln. Die von Müller vorgetragenen Instrumentalstücke von David Plüss und Michael Schütz ließen dazwischen genügend Raum, die szenisch (etwa mit Regenschirm und echten Leberwürsten) untermalten Texte und Dialoge gedanklich noch ein wenig nachzuschweifen.

 
aus Enztäler 8.10.07 Text/Foto: Ferenbach

"Von Zugezogenen und Leberwürsten"

Prosa, Lyrik und Musik mit Dietrich Wagner und Bernhard Müller

Am Freitag 5.10. 2007. 20:00 in Neuenbürg in der Jugendmusikschule Neuenbürg

  

 2009

Gesamtdeutsche Erlebnisse auf 200 Seiten

Autor aus Neuenbürg erinnert sich an die Wende, die Nacht im DDR-Knast und seine Jugend im Osten

Als vor 20 Jahren die Mauer fiel, hat Dietrich Wagner in Jena gerade Wäsche gewaschen. Er wollte es zuerst gar nicht glauben als eine Freundin ihm davon erzählte. 


Dabei ahnte der damals 21-jährige Psychologie-Student schon länger, dass das DDR-Regime keinen Bestand mehr hat. „Ich habe gesehen, wie gewaltsam die Volkspolizei und die Sicherheitsorgane am 7. Oktober 1989 gegen die Demonstranten bei der Gethsemanekirche in Berlin vorgegangen sind. Das war erschütternd“, erzählt der heute 41-Jährige. Glücklicherweise konnte sich Wagner mit Freunden auf die Dächer der Schönhauser Allee flüchten.

Zwei Tage vorher jedoch, als er bei einem Literatentreffen in Frankfurt/Oder war, gelang ihm das nicht: „Wir wurden für eine Nacht eingesperrt“, erzählt der gebürtige Ostdeutsche, der seit 2003 in Neuenbürg lebt. Wegen eines Zugs mit Botschaftsflüchtlingen aus Warschau herrschte eine brodelnde Stimmung rund um den Bahnhofvorplatz. „Die haben uns als Bedrohung angesehen“, erinnert sich der Autor. Sein etwas anderes Aussehen mit Nickelbrille, langem Mantel und Bart habe für die Festnahme schon ausgereicht. Im Knast habe eine Frau dann immer geschrien, sie wolle zu ihrem Kind.

Lesung in der Stadtkirche

Solche und andere Erlebnisse im Westen hat Wagner in seinem ersten Roman „Gesamtdeutscher Zuckerkuchen“ verarbeitet, aus dem er morgen, 15. November, in der Stadtkirche Neuenbürg liest. Darin wird die Geschichte zweier Ostdeutscher vor dem Hintergrund der Wende erzählt.

Entscheidend sei, dass das Liebespaar zunächst glaube, die Ereignisse hätten nichts mit ihm zu tun. Doch dann merken beide, dass sie sich verändern müssen und dass der Umbruch ihre Beziehung neu herausfordert. „Ich wollte, dass beide Teile diese Zeit verstehen“, erklärt das Mitglied vom Förderkreis der Schriftsteller in Baden-Württemberg. Es handle sich weder um einen Ost-West-Vergleich noch um eine Heldengeschichte, sondern vielmehr um ein Zeitdokument, das den kleinen Menschen in den Vordergrund rückt.



Schon seit zehn Jahren ist der 200-seitige, stellenweise auch amüsante Roman fertig. Wagner hat in seiner Freizeit immer wieder daran gearbeitet. „Ich bin leider ein Morgenschriftsteller“, sagt er. Zeit hätte der Vater zweier Kinder auch abends. Dann sei das Schreiben für ihn aber eher Zwang. Doch: „Das Schreiben könnte ich nicht sein lassen, es ist für mich existentiell“, so der Wahl-Neuenbürger.

Kritische Gedichte über Politik
Durch seinen Beruf als Psychologe und Familientherapeut wird Dietrich Wagner mit vielen anderen Geschichten konfrontiert. Als Autor versucht er deshalb, seine eigene Erlebniswelt zu erfahren. „Das ist Selbstbehauptung“, sagt er. Schon als 16-Jähriger in seiner Heimatstadt Eisenhüttenstadt verfasste er erste Gedichte. Politik und ein bisschen Kritik waren darin schon versteckt. Und Dietrich Wagner hätte zum Nationalfeiertag der DDR am 7. Oktober in der Schule auch lieber etwas Kulturelles veranstaltet als einen „peinlichen“ Aufmarsch. Aber ein Revolutionär sei er nie gewesen. „Ich wollte den Leuten Geschichten erzählen und sie damit unterhalten“, so der Hobby-Autor.

Text/Foto von Anita Molnar aus Pforzheimer Zeitung 14.11.09 

Von Zitronensaft und Zuckerkuchen

Wende im alltäglichen Leben: Lesung und Musik bewegt die Zuhörer in der Stadtkirche Neuenbürg

NEUENBÜRG. Vor 20 Jahren hätten sich der Neuenbürger Bezirkskantor Bernhard Müller und der Neuenbürger Autor Dietrich Wagner nicht erträumt, einen gemeinsamen Literatur-Musik-Abend zu gestalten. Ihre Geburtsorte liegen nämlich weit auseinander: Im Westen an der Mosel beim einen, im Osten an der Oder beim anderen. „Ich finde es prima, dass wir uns über den Weg gelaufen sind“, sagte der Moselländer Müller. Mit Blick auf das Mauerfall-Jubiläum las Wagner in der gut besuchten evangelischen Stadtkirche Neuenbürg aus seinem ersten Roman „Gesamtdeutscher Zuckerkuchen“. 


 

Bewegend: Der Neuenbürger Autor und Psychologe Dietrich Wagner las aus seinem ersten Roman "Gesamtdeutscher Zuckerkuchen". Die Zuhörer waren beeindruckt. 


Als Zwischensequenzen spielte Müller Orgelwerke von ost- und westdeutschen Komponisten. Neben Händels Fuge f-Moll und Bachs Schübler-Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ war auch Josef Rheinbergers „Abendfriede“ zu hören. Die Musik ließ die gelesenen Zeilen leise nachklingen und gab Zeit, über das Gehörte nachzudenken.

Denn das, was Dietrich Wagner von den Umbrüchen in der Wendezeit beschrieb, bewegte die Zuhörer tief. Besonders beeindruckt waren sie davon, wie der 41-jährige Autor und Psychologe die alltäglichen Dinge im damaligen ostdeutschen Leben der kleinen Leute beschrieb. So las Wagner zum Beispiel von drei Frauen, die stumm neben einem Pappschild sitzen und vergeblich ihren Zitronensaft verkaufen. In der DDR sei das noch Mangelware gewesen. Doch in den bunten Supermärkten gebe es neben riesigen Waschpulververpackungen längst auch West-Zitronensaft. Die Ost-Produkte waren von heute auf morgen nicht mehr gefragt. „Stumm saßen da die Verlierer“, las der Eisenhüttenstädter.

Dass es neben der friedlichen Revolution auch Gewalt gab, wurde bei den Szenen über die Berliner Demonstrationszüge im Herbst 1989 deutlich. Tief bewegt zeigte sich eine 68-jährige Besucherin aus Straubenhardt, die 1960 in den Westen übersiedelte. „Mich hat das an den 17. Juni 1953 erinnert, den ich persönlich erlebt habe“, sagte die Leipzigerin.

Buch-Interessenten können sich unter www.dietrichwagner.de über den Erscheinungstermin informieren.

Text/Foto von Anita Molnar aus Pforzheimer Zeitung 18.11.2009 


Impressum

 

Website: http://www.dietrichwagner.de

Autor: Dietrich Wagner 75305 Neuenbürg, Waldrennacher Steige 44 

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